Depressionen und Social-Media

Depressionen und Social-Media

Soziale Medien - Fluch und Segen

Zugegeben, mein Smartphone Konsum war auch schon vor meiner depressiven Episode, sagen wir: heftig. So heftig, dass ich mir auch damals schon Hilfe gesucht habe. Zu dieser Hilfe ist es dann aber leider aus den verschiedensten Gründen nie gekommen. Später, in meinen dunklen Phasen, bin ich aber noch mal ganz andere Zeiträume sozial-medial unterwegs gewesen. Im Grunde wie zur Ablenkung von den ganzen gruseligen Gedanken, auf denen ich Tag ein, Tag aus herumgegrübelte. Das ging dann so weit, dass ich regelmäßig an das Ende eines Threads kam und dann auf andere Kanäle wechseln „musste“, um wieder etwas neues entdecken zu können.
Das war auch die Zeit in der ich mich, wie ich es nenne „Sessel-radikalisiert“ habe. Ich war schon immer der am weitesten Links bei den damals noch „Konservativen“. Aber in dieser Zeit fühlte ich mich wie ein aktives Mitglied der Antifa und war hoch motiviert, allem rechten Blödsinn im Netz die Stirn zu bieten. Wenn ich dann mal die Bildschirmzeit betrachtet habe, dann stellte ich fest, dass ich an manchen Tagen nicht viel anderes gemacht hatte, als über diverse Kanäle mit verschiedenen Gadgets zu daddeln.
Irgendwann kam mir der Gedanke, dass diese Zeit doch einfach nur vertrödelt worden sein könnte. Dem halte ich mir heute aber selbst entgegen, dass mich eine Menge spannende und  hilfreiche Impulse auch über die Social-Media-Kanäle erreichten. Dann kam ich ins Zuhören, Nachlesen, Nachdenken und Lernen. Weil ich eben auch Energien und Menschen folge, die gute Sachen zu sagen haben oder mich auf gute Beiträge aufmerksam machen.
Ohne jene Impulse, hätte ich wahrscheinlich eine längere Zeit benötigt, wieder ins Leben zurück zu finden. Allein die ganzen Facebook-Gruppen, Insta-Profile, Clubhaus-Räume und Co. waren großartiger Kurzzeit-Ersatz für externe Begegnungen. Es war so oder so auch eine tolle Erfahrung, dass es viel mehr da draußen gab, die wie ich waren und suchten. Manche schon seit Jahren, ohne „Fortschritte“ zu machen. Das hat mich oft traurig gemacht, aber ebenso immer ermutigt meinen Weg behände weiter zu gehen und mich aus dem Loch wieder rauszuziehen.

Das ist ein Teufelszeug

Soziale-Medien wie beispielsweise Facebook, legen es ja aber auch darauf an, dass das Gadget nicht aus der Hand gelegt wird. Wenn das widererwartend mal passieren sollte, dann wird doch durch Nachrichten und Co. schnell wieder dafür gesorgt, dass nach dem Smartphone gegriffen wird. Das kann ein Teufelszeug sein, gerade dann, wenn man sich nicht so gut im Griff hat.
Das Lesen in Facebook macht ja irgendwann noch müde, aber bei TikTok braucht‘s ja gar kein Hirn mehr zum Konsumieren. Da wischt ich mich Stunde um Stunde durch und vergesse dabei auch gerne die Zeit. Meine aus der Entfernung betrachtet zugegebenermaßen zweifelhafte „Erfolgsstrategie“ war es, oder besser gesagt ist es teilweise noch immer, die entsprechenden Apps einfach zu löschen. Das hilft freilich nur so lange, bis ich aus meiner Sucht heraus, die Apps wieder lade. Das kann manches Mal auch schon nach zwei Stunden sein. Aber positiv gedacht sind es immerhin zwei Stunden, in denen ich etwas anderes mache.

Was sind deine Erfahrungen mit Social-Media?

Wie gehst du mit dem Drang um, dabei sein zu wollen?

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